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Ondine ist eine Fee, die in unserer Gegend zu Hause ist.
Sie ist die kleine Schutzfee unseres Flusses, der Nied.
Sie lebt irgendwo tief unter der Wasseroberfläche, niemand weiß genau wo, doch man erzählt, sie wohne in einem Kristallpalast.
Im Frühling kannst du sie, wenn du genau hinschaust, auf dem Fluss in winzigen Booten treiben sehen, in kleinen Glücksbooten, während sie sich von der Strömung tragen lässt.
Diese Boote sind die Eierschalen der Brachvögel, die an den Ufern der Nied nisten und nach dem Schlüpfen ihrer Küken ins Wasser fallen.
Manchmal hüpft sie auch von Seerosenblatt zu Seerosenblatt.
Wie viele Feen nimmt Ondine zuweilen menschliche Gestalt an.
Dann erscheint sie als sehr schönes junges Mädchen, sitzt auf den Wiesen am Ufer der Nied und kämmt ihr langes blondes Haar mit einem goldenen Kamm.
Sie trägt ein dünnes, fast durchsichtiges blaues Kleid und einen breiten Gürtel aus Goldfäden um die Taille.
Doch wie die Nied ist sie mal ruhig und lasziv, mal wütend und stürmisch.
Sie ist eine Verführerin, die jeden bezaubert und straft, der dem Fluss Schaden zufügt.
Eines Tages, als sie am Ufer in der Sonne döste, hörte sie zwei Schüsse, dann sah sie einen Blutfleck und eine Grünkopfente, die mit verletztem Flügel auf dem Wasser kämpfte.
Empört blickt Ondine zu dem Jäger hinüber, der die Stockente getroffen hat.
Er ist sofort von dem schönen Mädchen am Ufer gefesselt.
Da erhebt sich Ondine, geht zum Fluss hinunter und steigt ruhig ins Wasser.
Überrascht folgt ihr der Jäger und geht ebenfalls ins Wasser.
Völlig von Ondine verzaubert, bemerkt er nicht, wie er immer tiefer versinkt, bis er schließlich verschwindet und nie wieder gesehen wird.